In Münster, so ein bekanntes Vorurteil, läuten entweder die Glocken oder es regnet; treffen beide...
KMF-Kongress 2012: „Glaube braucht Quellen: spirituell leben“ [mehr]Frauenquote für die Kirche
Brauchen wir eine Frauenquote für die Kirche? – als Chance, dass die Nachfolge P. Langendörfers als Sekretär der Bischofskonferenz eine Sekretärin sein könnte? Für Heliand-Frauen oder die Mitgliedervollversammlung des ZdK wäre das keine Unmöglichkeit. Und ist der Dialogprozess wegen der „unaufgebbar asymmetrischen Kommunikation“ (Lüdecke) vertane Mühe – oder wegen einer „patogenen Hierarchie“ (Kaufmann) überlebenswichtig? Das neue ‚aktuell‘ 4 / 2011 regt zu solchen Überlegungen an.
Die Mitgliedervollversammlung des ZdK, die vor kurzem in Bonn tagte, beschäftigte sich ausführlich mit der Situation der Frau in unserer Kirche, klammerte aber die Frage der Priesterweihe von Frauen aus. Gleichwohl war den meisten Mitgliedern wohl klar, dass nicht zuletzt wegen der menschlichen und gesellschaftlichen Gleichberechtigung der Frau in absehbarer Zeit kein Weg um die Frauenordination herumführt, wollen wir den Anschluss an den kulturellen Fortschritt nicht verlieren.
Es gibt vor allem pastorale Gründe für eine solche Änderung der Zugangsbestimmungen zum Priesteramt. So ist beispielsweise eine Seelsorge, die alle erreichen soll, angesichts des ständig zunehmenden Priestermangels ohne die Weihe von Frauen nicht mehr möglich. Die Entscheidung von Papst Johannes Paul II., die Kirche könne Frauen nicht zu Priestern weihen, und das Verbot, diese Frage auch nur zu erörtern, hemmen im Moment noch die weitere Diskussion. Viele Theologen bezweifeln die Stichhaltigkeit der Argumente, die Johannes Paul II. für seine Entscheidung angeführt hat. Viele sind auch nicht davon überzeugt, dass es sich bei diesem Verbot um eine „lehramtliche“ Entscheidung handelt, wie es Bischof Overbeck vor kurzem in Mannheim behauptete. Es besteht also dringender Diskussionsbedarf.
Die ZdK-Mitglieder haben sich aber in einer Entschließung dafür eingesetzt, Frauen zu Diakoninnen zu weihen. Damit greifen sie ein altes Anliegen der deutschen Katholiken wieder auf. Bekanntlich haben bereits die Delegierten der Würzburger Synode 1975 dieses Problem dem Vatikan vorgetragen, auf seine Antwort warten wir bis heute - also mehr als 35 Jahre. Dabei wollten die deutschen Katholiken das Amt des Diakons
nicht als eine Durchgangsstufe auf dem Weg zur Priesterweihe verstehen; der Auftrag aller Christinnen und Christen zur Diakonie - so formulieren sie heute – bilde sich im sakramentalen Diakonat ab. Deshalb seien Frauen als Diakoninnen unverzichtbar. Ein legitimes Anliegen. Warum der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz umgehend diese Einsicht ablehnte und dabei den Vorwurf erhob, das ZdK belaste mit dieser Stellungnahme den „Gesprächsprozess“ ( das ist die neue Bezeichnung, die die Bischöfe dem Dialogprozess gegeben haben ), ist unverständlich.
Unsere Bischöfe sind durch das Votum des ZdK gefordert. Die Vollversammlung hat in ihrer Entschließung die Verlautbarung der Deutschen Bischofskonferenz von 1981 aufgegriffen, in der es u.a. heißt: „Die Kirche soll Modell für das gleichwertige und partnerschaftliche Zusammenleben und –wirken von Männern und Frauen sein“, und festgestellt, dass auch der Anteil der Frauen an den kirchlichen Führungsämtern dazu noch viel zu gering sei. Es ist also an der Zeit, dass die Bischöfe die kirchlichen Positionen dahingehend überprüfen, welche noch mit Geistlichen besetzt werden müssen und welche demnächst sozusagen als „k.u.“ ( künftig umzuwandeln ) ausgewiesen werden können.
Diejenigen Stellen, die auch Laien offenstehen, sollten zunehmend mit Frauen besetzt werden. Und davon gibt es mehr als erwartet. So hat dieser Tage die Schweizer Bischofskonferenz einen Laien als Generalsekretär eingesetzt. Wäre es so abwegig, dass in der Nachfolge von P. Langendörfer SJ eine Frau dieses Amt übernähme? Auch die „Hirtensorge an Laien“ im Rahmen des can 517 CIC können Frauen übernehmen. Das sind Maßnahmen, für die allein die Ortskirchen die Verantwortung tragen.
Die Bischofskonferenz könnte sich auf eine Frauenquote verständigen. Ich hoffe aber, die Bischöfe werden von sich aus auch ohne eine „Quote“ Wege und Möglichkeiten sehen, durch Übertragung von Ämtern, für die keine Weihe notwendig ist, das „gleichwertige und partnerschaftliche Zusammenwirken von Frauen und Männern“ zu fördern und Frauen entsprechend ihren Berufungen, Qualifikationen, Kompetenzen, ihrer Zahl und ihren Charismen bei der Besetzung kirchlicher Führungspositionen zu beteiligen. Die Bischöfe hätten damit die Gelegenheit, ihre häufig geäußerte Wertschätzung der Arbeit der Frauen in unserer Kirche wirklich zu realisieren.


