Editorial
Kräfte bündeln
Zu Beginn des Dialogprozesses hat Hans Küng vor kurzem in einem „Zeit“-Interview vier zentrale Reformen schlagwortartig angemahnt:
- Zölibat freiwillig
- Frauen in die Ämter
- Abendmahlgemeinschaft mit den Protestanten
- Wiederverheiratete Geschiedene zur Eucharistie zulassen
In dem Interview hat er die wichtigsten Reformgruppen in Deutschland, in Österreich und der Schweiz sowie „erneuerungswillige Pfarrer, Theologen und Politiker“ aufgefordert, sich zu einem Aktionsbündnis zusammenzuschließen und diese Anliegen gegenüber dem Vatikan durchzusetzen. Der Vorschlag erinnert an das Kirchenvolksbegehren der neunziger Jahre, mit dem die Gründer von „Wir sind Kirche“ Reformen zu erreichen versuchten.
Und vor wenigen Tagen haben „Wir sind Kirche“ und die „Leserinitiative Publik“ alle „ChristInnen in Reformgruppen, Kirchengemeinden und Verbänden“ eingeladen, mit einem Kongress im Oktober 2012 des Beginns des 2. Vatikanischen Konzils vor 50 Jahren zu gedenken.
Diese Vorhaben werden wenige Tage nach der Frühjahrsvollversammlung des ZdK veröffentlicht. Dort hatten die Delegierten mit allem Nachdruck klargestellt, dass sie einen ergebnisorientierten Dialog, nicht ein unverbindliches Gespräch mit den Bischöfen führen wollen, und noch einmal bekräftigt, welche Ziele sie vorrangig in diesem Reformprozess erreichen wollen. Dabei nannte Alois Glück, der Präsident des ZdK, an erster Stelle:
„Wir dürfen lebendige Gemeinden nicht rein versorgungsstrategischen Überlegungen opfern. Kirche muss vor Ort erfahrbar sein und als Volk Gottes zusammenkommen.“
Für die Aufrechterhaltung der bestehenden Gemeinden gibt es aber in den nächsten Jahren keine ausreichende Zahl von Priestern. Und ihre Zahl wird noch weiter zurückgehen. So wird man über neue Wege nachdenken müssen, um in den Großpfarreien Möglichkeiten für eine wirksame Seelsorge aufrechterhalten zu können. Weiter...
Aktuelles aus dem Ak
Jeweils einmal im Quartal summiert eine AKTUELL-Ausgabe die kirchlichen Entwicklungen in einem Informationsdienst auf Gegenseitigkeit. Die letzten Nummern finden sich unten als Downloads.
Brauchen wir eine Frauenquote für die Kirche? – vielleicht als Chance, dass die Nachfolge P. Langendörfers als Sekretär der Bischofskonferenz eine Sekretärin sein könnte? Für Heliand-Frauen oder die Mitgliedervollversammlung des ZdK wäre das keine Unmöglichkeit. Und ist der Dialogprozess ( nicht: Gesprächsprozess!) wegen der „unaufgebbar asymmetrischen Kommunikation“ ( Norbert Lüdecke ) in unserer Kirche sowieso vertane Mühe – oder wegen einer „patogenen Hierarchie“ ( Franz Xaver Kaufmann ) erst recht überlebenswichtig? Das neue ‚aktuell‘ 4 / 2011 regt zu solchen Überlegungen an und bringt neben Anderem auch einen ersten Rückblick auf das Jahrestreffen des Ak ‚Erneuerung der Kirche‘ im November und auf Seite 10 einen Weihnachtsgruß.
Warum sollte es in der Kirche anders sein? Gerade bei strittigen Themen reden zunächst alle wild durcheinander und suchen nach einer pfiffigen Überschrift (Gesprächsoffensive? Zukunftsdialog?), bis es gelingt, den richtigen, gemeinsamen Gesprächsfaden zu finden. Der Ak setzt auf ein verbindliche Gesprächsinitiative und - auf der ZdK-Linie - einen ergebnisoffenen Dialogprozess. Die 'aktuell'-Ausgabe bietet einen Überblick über die verschiedenen Kommunikationsebenen und dokumentiert aber auich jüngste Entwicklungen in verschiedenen Diözesen. In eigener Sache annonciert der Ak eine Neuorientierung.
Skepsis sei am Veränderungswillen der Bischöfe angebracht, resümiert die neuste Nummer und setzt auf kleinere Gemeinschaften als Reformmotor. "Voll verantwortlich im Leben, aber ohnmächtig in Kirche?", ist folgerichtig die Einladung zur nächsten Ak-Tagung überschrieben. Diese Ausgabe verdeutlicht, worum bei den Reformanstrengungen grundsätzlich geht und was konkret realisiert werden sollte.
Frühere Ausgaben 2010
Rund um die Gesprächsinitiative der katholischen Kirchenspitzen entwickelt und bezieht die aktuell-Ausgabe ihre Dynamik. "Voll verantwortlich im Leben - ohnmächtig in der KIrche", fragt folgerichtig die nächste Ak-Tagung 2011. Die Ideen entstanden auf dem letzten Ak-Treffen in Bad Honnef im November, über das auch berichtet wird.
Wenig überraschend ist es in der gegenwärtigen kirchlichen Situation, dass ein Zukunftsgespräch zwischen Laien und Bischöfen an Dringlichkeit gewinnt. Wer als Bischof - so die These dieser Ausgabe - Solidarität der Laien einfordere, müsse auch auf deren Anliegen reagieren. Neben Ansätzen zum Dialog glossiert die Juli-Ausgabe Meinungsbilder zum Gesprächsklima. Schließlich lädt der Arbeitskreis zur Tagung "Ökumene - Wege ins Offene - Handlungsperspektiven entwickeln" Anfang November ein. Ein weiteres Feld.
Über die aktuell aufgebrochenen Debatte über die Mißbrauchsverbrechen in der katholischen KIrche hinaus summiert die März-Ausgabe eine Fülle von ungelösten pastoralen Fragen: Die Sackgasse der immer größeren Seelsorge-Einheiten, der Charakter einer Freiwilligengemeinschaft, die Frage der Weihe von Frauen, die Kompetenz der Laien, Pfarrgemeinden zu leiten ... Über diese grundlegenden Kontroversegilt ein letzter Blick der Profanisierung einer Kirche in Goch.
aktuell - Ausgaben in 2oo9
Das Editorial kommentiert Wünsche an den neuen ZdK-Präsidenten Alois Glück und greift dessen Gedanken zum Zukunftsgespräch auf. Unter dem Stichwort "Arbeiten an einer neuen Struktur unserer KIrche" summiert 'aktuell' verschiedene Meinungsäußerungen zum Jahr des Priesters. Des weiteren eröffnet 'aktuell' eine Artenvielfalt des Katholisch seins.
Das Editorial kommentiert die Nichtwahl im Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Mit dem Streit um die Pius-Brüdern beschäftigt sich ein weiterer Kommentar. Anmerkungen zur "Krise der Institutionen" von Hubertus Halbfas gewinnen angesichts eines ebenfalls wiedergegebenen Briefes an den Limburger Bischof über die Revision des Statuts für die Pfarrseelsorge an Brisanz.
Die turbulenten Entscheidungen um die Pius-Bruderschaft, Kommentare und Einschätzungen, nehmen breiten Raum in diesem Aktuell ein. Außerdem wird von einer Diskussion zum vorgeschlagenen Zukunftsgespräch mit dem ZdK-Präsidenten Meyer berichtet.


